Meine etwas andere Art für Frauenrechte zu kämpfen

Ich bin eine Kämpferin für Frauenrechte. Nur wohl anders. Ich mag mich ungern in die ewig gleiche Jammer-Diskussion, wie schlecht es uns Frauen doch geht, mischen. Stattdessen trage ich meinen Teil zur Stärkung der Gleichberechtigung, Frauenrechte und Gleichstellung bei. Machen wir uns gemeinsam gross und nicht klein.

Vor 50 Jahren haben die stimmberechtigten Männer in diesem Land ja zum Frauenstimmrecht gesagt. Ich kann mir ehrlich nur annähernd vorstellen, wie das früher gewesen sein muss. Frau hat hinter den Herd und ins Heim mit Kindern und Garten gehört, den Haushalt geführt und sonst nichts sagen dürfen. Schon ein spezieller Gedanke, vor allem, wenn man sieht, wohin sich alles entwickelt hat in den letzten 50 Jahren. Früher war es Frauen nicht erlaubt Kinder ohne Mann aufziehen, sie wurden ihnen sogar weggenommen. Frauen und Männer durften keine Wohnung mieten, waren sie nicht verheiratet und eben Frauen-Rechte wurden von Männern bestimmt. Ohne Mann ging irgendwie nicht viel. Und doch gab es schon damals selbst bestimmte Frauen. Wie meine Mutter, die gearbeitet hat, ihr eigenes Geld verdient und ihren Teil zur Familie und Ehe beigetragen hat.

Heute ist vieles so selbstverständlich

Ganz ohne Frage zum Guten hat sich in den letzten 50 Jahren doch einiges verändert. Und heute ist es selbstverständlich, dass Frauen eine Ausbildung machen dürfen, alleine eine Wohnung mieten, sich politisch engagieren und selbständig sein können. Schade an der ganzen Debatte um Gleichberechtigung, Frauenstreik und Frauenstimmrecht in der heutigen Zeit finde ich – und eigentlich stört es mich gewaltig – dass Frau nur solange Seite an Seite mit andern Frauen kämpft, wie sie sich eben gleichgestellt fühlt. Sobald eine Frau etwas anderes Macht, als die grosse Menge, nicht im gleichen Strom schwimmt, sondern selbst bestimmt ihren Unterhalt fürs Leben verdient – wird auf sie gezeigt. Dann ist sie eben nicht „gleich“ wie die anderen Frauen.

Riesige Ver- oder Beurteilung durch Frauen

Und Gleichstellung wird hinlänglich (von Frauen) auch nicht so verstanden, dass Mann und Frau das gleiche leisten sollen und auch überall die gleichen Rechte haben, sondern dass Frauen bessergestellt werden sollen. Es wird immer viel über die nach wie vor vorhandene Ungleichheit zwischen Mann und Frau in der Schweiz, die tieferen Renten, tieferen Löhne und was Frauen alles sonst noch so erdulden müssen, diskutiert. Wenn man als Mutter 80-100 Prozent berufstätig ist, wird das von Frauen schräg betrachtet und man muss sich ständig rechtfertigen für den Lebensentwurf. Weshalb man überhaupt Kinder hätte, wenn man 100 Prozent arbeitet und sein Kind fremdbetreuen lässt. Ist übrigens im umliegenden Ausland (Deutschland, England) oder Übersee voll normal, dass Frau nach der Geburt wieder 100 Prozent arbeitet. Ich finde eine solche Beurteilung oder Bewertung von anderen Frauen anmassend. Ich masse mir ja auch nicht an zu ver- oder beurteilen, wenn eine Frau entscheidet zu Hause zu bleiben bei den Kindern. Die einen wollen zu Hause bleiben – und können es ohne finanzielle Einbussen –  die anderen arbeiten Teilzeit, um sich selber etwas finanzielle Sicherheit zu geben oder wieder andere arbeiten 80-100 Prozent, weil sie alleinerziehend, oder unabhängig sein wollen. An all diesen Lebensformen gibt es nichts auszusetzen. Jede Frau darf doch selbst entscheiden, wie sie leben möchte. Daraus soll dann aber auch kein Gejammere entstehen oder gar eine Verurteilung. In einer freien Schweiz hat jede die Freiheit zu entscheiden, wie sie leben möchte inklusive der finanziellen Konsequenzen. Ich kann deshalb mit der ganzen Diskussion wenig anfangen. Schon deswegen nicht, weil es letztlich immer wieder darauf hinausläuft zu bewerten, was diese mehr hat oder anders macht mehr Möglichkeiten hat oder Geld.

Mein Teil für Gleichberechtigung

Ich bin stolz, dass ich mein Leben selbstbestimmt lebe und unabhängig bin. Ich habe Freude an meinem Job und bin doch eine gute Mutter. Gerade, weil ich nicht nur zu Hause bin. Und zusätzlich muss ich mir wegen meiner Rente oder Pension keine Sorgen machen, weil ich eben genug arbeite und für meine Zukunft sorge. Man kann nicht nur nach Gleichberechtigung schreien und dann seinen Beitrag nicht leisten. Wer wirklich will, der hat dieselben Möglichkeiten wie die Männer in der Schweiz. Ich fühle mich weder schlechter gestellt noch benachteiligt. Ich fühle mich frei in der Schweiz. Und gleichberechtigt. Aber ich tue jeden Tag meinen Teil dafür, dass ich mich eben nicht benachteiligt fühle.

Wir sollten uns unterstützen anstatt uns zu verurteilen

Gleichzeitig halte ich mich aber massiv mit genau dieser Meinung zurück, denn für meine Weltanschauung, meinen Lebensentwurf und meine Entscheidung, wie ich lebe, werde oder würde ich ringsherum verurteilt. Anstatt auf die Schulter geklopft zu bekommen, wird mit dem Finger gezeigt und statt miteinander uns als Frauen mit all unserem Können zu feiern, werden wir verurteilt. Wir seien Rabenmütter, weil wir eben mehr wollen als zu Hause zu sein.

Das Gesetz (Eherecht oder Scheidungsrecht) und unser Rechtstaat bietet oder zwingt alle dazu ihren Beitrag zu leisten. Und ich kann durchaus auch deswegen sagen, ich fühle mich gleichberechtigt und muss nicht jammern. Ich habe meine Vorsorge, meine Finanzen und mein Leben im Griff. Selbstbestimmt. Und ich beurteile oder verurteile weder die Frau, die die Möglichkeit hat zu Hause zu bleiben bei den Kindern noch die Mutter, die 100 Prozent arbeitet. Weil ich überzeugt bin, dass jede frei entscheiden soll, welcher Lebensentwurf sie glücklich mach.

In diesem Sinne ich bin eine Kämpferin für Frauenrechte, ich engagiere mich für Gleichstellung, aber nicht, weil ich ständig sehe, dass es mir schlechter geht als den Männern, sondern weil ich stolz bin mein Leben selbst bestimmt zu gestalten und somit meinen Betrag leiste.

Susan Diethelm

Susan Diethelm

„Mon petit bonheur“ – mein kleines Glück entdecke ich jeden Tag. Es sind die feinen, stillen, unerwarteten Dinge, die diese Gefühl hervorrufen. Kommt mit auf Entdeckungsreise.