Genug ist genug und was mir besonders fehlt

Dieses Ausharren mit all den Corona-Beschränkungen bringt auch mich langsam aber sicher an die Grenzen. Nizza fehlt mir. Das Reisen und unterwegs sein, fehlt mir. Ich möchte wieder unbeschwert Freunde treffen und einfach frei entscheiden können, nach was mir der Sinn steht.

Ja, auch bei mir hängt Corona langsam aber sicher zum Hals raus. Ich mag nicht mehr. Ich bin irgendwie Corona-Müde. Müde über die immer gleichen Themen: Infektionszahlen, Positivitätsrate, impfen oder nicht impfen, Masken tragen oder nicht. Restaurants & Freizeitangebote offen oder nicht. Schulen offen oder nicht. Auch mir reicht’s langsam. Dies obwohl ich mich eine sehr lange Zeit doch recht gut mit der Situation abfinden konnte. Ja, sogar im Homeoffice produktiver bin und mich sehr wohl in unserem Zuhause fühle und es mir auch nie an Ideen oder innerem eigenen Antrieb für Projekte fehlt. Ich halte Kontakt zu meinen Freunden über Telefon und fühle mich zufrieden und glücklich in meiner Familie. Ich kann mich gut mit mir beschäftigen und in der Familie haben wir wirklich eine schöne Zeit. Mich stört es eigentlich ja auch nicht, dass wir nirgendwo hinkönnen, denn diesem Konsum und dem ständig etwas müssen im Aussen hatte ich ja schon länger abgeschworen. Für sich sein. Mit seinen Liebsten. Ein Wochenende auf dem Sofa mit einem guten Buch hat mich schon seit meiner Trennung mehr angezogen, als ein vollbefrachteter Tagesablauf am Wochenende. Drum. Eigentlich alles gut. Doch gut reicht mir langsam.

Mir fehlt die Aussicht nach Nizza zu fahren. Diese Woche ist es ein Jahr, dass ich das letzte Mal nach Nizza geflogen bin. Wann gab es das das letzte Mal, dass ich ein ganzes Jahr nicht in Nizza war? Ich kann mich nicht erinnern. Gut, im Moment lohnt sich eine Reise nach Frankreich und auch Nizza nicht. Neben dem negativen Corona-Test, den man für die Einreise braucht, herrscht in Nizza eine Ausgangssperre ab 18 Uhr, man darf das Haus nur aus wichtigen Gründen mit einem Passierschein verlassen und mit dem Hund im Radius von 1 Km ums Haus spazieren gehen. Nicht gerade, das was ich mir wünsche. Es ist im Moment auch nicht absehbar, wann sich die Situation ändert. Ich wünsche mir so, dass ich bald wieder nach Nizza fahren kann, um das was ich so vermisse aufzusaugen.

Überhaupt unbeschwert und frei nach Lust und Laune die Wochenenden zu planen, Reisen zu organisieren, meine geliebten Städte-Trips oder Frühlings-, Sommer- und Herbstferien planen, fehlt mir. In der Regel habe ich ja schon Anfang Januar den Wunsch nach Frühling, meine Ballerinas, leichtere, fröhliche Frühlingsmode, Lust mich zu bewegen, etwas zu bewegen. Und jetzt geht das nicht. Mir fehlt all das.

Mir fehlt auch, dass ich meine Freundinnen und Freunde nicht treffen kann, so wie es mir gefällt. Mir fehlt es, dass ich nicht vollkommen frei entscheiden kann, nach was mir grad der Sinn steht, sondern immer diese Beschränkung zu berücksichtigen ist. Und auch wenn ich ganz fest daran glaube, dass es bei allem was uns fehlt und wir vermissen, es notwendig ist, das beste aus der Situation zu machen. So hab ich einfach langsam genug. Wie schon früher beschrieben, habe ich einige Projekte und Ideen, wie ich die Zeit des Wartens auf bessere Zeiten nutzen will. In diesem Sinn – lasst uns diese Warterei kreativ begehen.

Susan Diethelm

Susan Diethelm

„Mon petit bonheur“ – mein kleines Glück entdecke ich jeden Tag. Es sind die feinen, stillen, unerwarteten Dinge, die diese Gefühl hervorrufen. Kommt mit auf Entdeckungsreise.