Nizza geht immer – mein Jubiläum zwischen Karneval und Zitronenfest

Es gibt Orte, die begleiten einen durchs Leben. Leise, konstant, verlässlich. Für mich ist es Nizza.

Vor 30 Jahren stand ich zum ersten Mal hier. In der Wohnung an der Basse Corniche. Mit Blick auf den Hafen, dieses endlose Blau, das sofort etwas in mir ausgelöst hat. Ein Gefühl von Ankommen. Von Freiheit. Von «hier bin ich richtig». Und bereits damals habe ich mich verliebt!

30 Jahre später habe ich mir einen kleinen Wunsch erfüllt – ich wollte den Carnaval de Nice noch einmal erleben. Damals, als junges Mädchen, bin ich schon einmal dort gewesen. Die Bilder sind geblieben. Und irgendwie auch dieses Staunen.

Nizza ist für mich kein Ort – es ist ein Gefühl.

Der Karneval von Nizza gehört übrigens zu den ältesten der Welt – seine Ursprünge reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Früher war es ein ausgelassenes Volksfest vor der Fastenzeit, heute ist es ein riesiges Spektakel mit kunstvollen Wagen, politischen und humorvollen Figuren und einem klaren Motto, das sich jedes Jahr durchzieht. Was geblieben ist: diese besondere Mischung aus Leichtigkeit, Fantasie und ein bisschen Verrücktheit.

Freitag – Ankommen

Der Flug von Zürich nach Nizza – mit Blick aufs Matterhorn – war schon der perfekte Auftakt. Es sind genau diese kleinen Momente, die eine Reise einrahmen.

Ankommen, die Wohnung lüften, tief durchatmen. Dieses Gefühl ist jedes Mal dasselbe. Vertraut. Und genau richtig.

Ein erster Spaziergang durch die Stadt, ein Apéro an der Promenade, das Licht, das sich im Meer spiegelt. Später ein Abendessen im Lieblingsfischrestaurant am Hafen. Gute Gespräche, ein Glas Wein. Geniessen. Einfach sein.

Ich komme dort an. Jedes Mal. Und bin einfach glücklich.

Samstag – Stadt, Sonne und ein Spektakel bei Nacht

Der Samstag begann genau so, wie ich Nizza liebe: treiben lassen. Durch die Gassen schlendern, kleine Läden entdecken, Menschen beobachten. Nizza ist lebendig, laut, manchmal fast ein bisschen zu voll – und gleichzeitig hat die Stadt diese Leichtigkeit, die mich immer wieder einfängt. Dieses Lebensgefühl, das mich so einnimmt.

Wir haben den Nachmittag mit einem einfachen Lunch auf der Place Garibaldi gestartet und sind ewig da gesessen mit der Sonne im Gesicht. Ganz ohne Eile!

30 Jahre voller Erinnerungen – und noch immer dieses erste Staunen im Herzen.

Und dann der Höhepunkt: die Parade Nocturne des Karnevals.

Diese riesigen Figuren, die sich durch die Stadt bewegen. Tänzerinnen und Tänzer, Musik, Licht – alles wirkt ein bisschen surreal. Fast wie eine andere Welt. Und ich mittendrin, mit diesem leisen Gedanken: Ich wollte genau das. Und jetzt bin ich hier.

Sonntag – Zitronenduft und staunende Augen

Am Sonntag ging es nach Menton – zur Fête du Citron.

Auch dieses Fest hat Geschichte: Seit 1934 wird hier die Zitrone gefeiert – ursprünglich, um den Tourismus im Winter anzukurbeln. Heute ist es ein internationales Ereignis. Tonnenweise Zitronen und Orangen werden zu riesigen Skulpturen verbaut. Figuren, Szenen, ganze Welten entstehen – nur aus Zitrusfrüchten.

Und ja, es hat viele Menschen. Sehr viele. Aber manchmal lohnt es sich, genau dafür loszugehen.

Denn wenn man vor diesen Kunstwerken steht, spürt man wieder dieses kindliche Staunen.

Zwischen Meerblick und Zitronenduft habe ich wieder gespürt, wie wenig es braucht, um ganz bei mir zu sein.

Am Abend dann ein Ortswechsel nach Saint-Jean-Cap-Ferrat. Ein letztes Highlight. Ein feines Abendessen, an einem der schönsten Orte der Côte. Ein Moment, der bleibt.

Montag – Abschied, der keiner ist

Manche Orte verändern sich. Und bleiben doch genau das, was man braucht.

Der letzte Blick auf den Hafen. Auf das Meer. Dieses vertraute Ziehen im Herzen – und gleichzeitig die Gewissheit: Ich komme wieder.

Denn Nizza ist für mich nicht einfach eine Stadt.

Es ist ein Gefühl.

30 Jahre voller Erinnerungen. Von wilden Zeiten mit Freundinnen und Freunden, über ruhige Momente als Mami, bis hin zu diesen bewussten Auszeiten heute. Nizza hat sich verändert – von eher rau und chaotisch zu modern, zugänglich, manchmal fast zu beliebt. Tramlinien, bessere Verbindungen, mehr Struktur. Und gleichzeitig ist da immer noch dieses Ursprüngliche.

Der Winter mit seiner Ruhe. Der Frühling mit seiner Leichtigkeit. Der Sommer – intensiv, heiss, voller Leben. Und der Herbst, der alles wieder langsamer macht.

Nizza geht immer.

Und ich? Ich komme dort an. Jedes Mal.

Und bin einfach glücklich.

Auf die nächsten Jahre. Auf neue Erinnerungen. Und auf dieses kleine, grosse Glück, das ich genau dort finde. 

Susan Diethelm

Susan Diethelm

„Mon petit bonheur“ – mein kleines Glück entdecke ich jeden Tag. Es sind die feinen, stillen, unerwarteten Dinge, die diese Gefühl hervorrufen. Kommt mit auf Entdeckungsreise.