Der 24. Januar 2026 hatte alles, was es für eine kleine Glücksgeschichte braucht: Neugier. Begegnungen. Technik. Geschichte. Und ich mitten drin!
Ich habe modernste Technik erlebt – mit ARTOUR, dem autonom fahrenden Ortsbus, der uns vom Bahnhof durch Arbon bis zum Saurer Museum brachte.
Ich habe die Textil- und Fahrzeugbauwelt von Saurer einmal mehr erleben dürfen – vertieft, verständlich und mit viel Hintergrundwissen von Menschen, die diese Geschichte selbst mitgeschrieben haben.
Ich habe interessante Gespräche geführt – und das als einzige Frau unter 16 Männern, die sich mit grosser Leidenschaft über historische Fahrzeuge austauschen, über Restaurierungen, Details, Motoren, Baujahre. So habe ich es doch geschafft auch andere Themen einzubringen.
Aber jetzt der Reihe nach.
Die diesjährige DV des Vereins Federblatt, bei dem ich seit einigen Jahren als Lektorin mitwirken darf, führte uns nach Arbon – ins Saurer Museum. Der Gastgeber und Präsident des Oltimer Clubs Saurer (OCS) hat ein spannendes und abwechslungsreiches Programm zusammengestellt.

Schon die Anreise war speziell.
Mit ARTOUR durch die Stadt zu fahren, leise, ruhig, fast unauffällig – und genau dadurch so eindrücklich. Zukunft trifft Geschichte, ganz selbstverständlich. Das Projekt mit dem autonom fahrenden Ortsbus ist wegweisend für weitere Projekte in auch grösseren Städten. Wir sind auf jeden Fall gemütlich und heil beim Museum angekommen. Der ARTOUR muss noch lernen, wie er unerwarteten Hindernissen aus dem Weg gehen kann, aber das Projekt befindet sich bereits in Phase 2. Bald wird der Operator nicht mehr im Bus die Technik und Fahrt überwachen, sondern aus der Buszentrale. Und auch der Chauffeur – der nur noch eingreift, wenn es nötig wird – wird irgendwann nicht mehr benötigt.




Nach Kaffee und Gipfeli folgte eine ausführliche Führung durch zwei ehemalige Saurer-Mitarbeitende.
Die Geschichte von Saurer – Textilmaschinen und Lastwagen – wurde uns fachlich fundiert und mit viel Herzblut nähergebracht. Uns wurden die Stick- und Webmaschinen im Detail erklärt und vorgeführt. Plötzlich ergaben sich Zusammenhänge. Entwicklungen. Technische Logiken. Das rhythmische Arbeiten der Maschinen, die Präzision, das Zusammenspiel von Mechanik und Idee.



Technikgeschichte zum Anfassen. Und zum Verstehen. Diese Entwicklung der Stick- und Webmaschinen, wie auch der dazugehörige Fahrzeugbau sind ein eindrücklicher Beweis Schweizer Innovation und Industriegeschichte. Es beeindruckt, wie damals Innovation vorangetrieben wurde.

Mir gefallen besonders die schön gepflegten Fahrzeuge – historischen Saurer Lastwagen und Postautos. Da schlägt mein Herz höher! Und mein ganz persönlicher Favorit neben den wunderschönen Saurer Alpenwagen ist das Tankwägeli von 1924. Wahrscheinlich, weil es nicht so gross ist und daher für mich als Frau wohl besser passt. Es wirkt nicht so wuchtig, sondern fast elegant. Ein Stück Geschichte auf Rädern.


Nach der Führung gab es im Museum einen Apéro und die Gelegenheit ARTOUR noch näher zu betrachten. Und dann die Gelegenheit für Austausch beim Mittagessen. Für mich als einzige Frau in dieser doch sehr männlich geprägten Welt ist das jedes Mal speziell, mich in einer Domäne, die nach Technik, Öl und jahrzehntelanger Erfahrung riecht, doch entspannt und mühelos zu bewegen.
Mich fasziniert, dass sie diese Fahrzeuge nicht einfach besitzen, sondern sie pflegen, reparieren, restaurieren, dass sie Zeit, Geld und unendlich viel Herzblut investieren, damit historische Schweizer Lastwagen erhalten bleiben.
Da ich von all dem technischen rund um die Lastenwagen kaum eine Ahnung habe, finde ich es bereichernd, dass ich Anknüpfungspunkte finde und die Themen auch mal in meine Gefilde lenken kann.
Der offizielle Teil der DV fand anschliessend im ehemaligen Saurer-Vortragssaal statt. Ein Raum mit Geschichte, der dem Anlass eine besondere Tiefe verlieh. Was hier wohl entwickelt, verhandelt, entschieden, kommuniziert und umgesetzt wurde? Man kann es nur erahnen.


Zum Abschluss durften wir dann noch das neu gestaltete Saurer-Depot besuchen. Weitere Schmuckstücke sorgfältig gepflegt. Fahrzeuge, die von technischer Exzellenz, Handwerk und dem Stolz einer ganzen Epoche erzählen.
Es war ein wunderbarer Tag mit einer Tour d’Horizon durch die Saurer Geschichte und ein Ausblick in die Zukunft. Für mich faszinierend und beglückend zugleich.